Startseite | Hilfe | Inhalt | Kontakt | Druckansicht | Suchen
Steinhäger ist eine der klassischen deutschen Spirituosen. Sein Ursprung reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Dieses reine Produkt besteht ausschließlich aus Wacholderbeeren, Wacholderdestillat, reinem Getreidealkohol und frischem Quellwasser, ganz ohne fremde Zusatzstoffe.
Älteste Überlieferungen bezeugen, dass Wacholder schon in der Antike einen wichtigen Platz in der Heilkunde und Mythologie belegte. Der immergrüne, harzige Wacholderstrauch war unseren Vorfahren heilig und galt als Baum des Lebens. Auf den Plätzen, wo die Germanen ihre Toten verbrannten, wurde häufig verkohlter Wacholder gefunden, sie gaben ihn ihren Dahingegangenen mit auf den Weg nach Walhall.
Wacholder war ein wichtiger Verbündeter gegen jegliche böse Geister, er wurde über der Haustür als Schutzzauber angebracht und zu mannigfachen sakralen Handlungen, besonders Räucherungen eingesetzt. Im frühen Christentum wurde der Brauch der Heiden übernommenen, mit Wacholder beim Gottesdienst zu räuchern, erst später verwendete man Olibanum, den orientalischen Weihrauch.
Noch im Mittelalter und besonders zu Zeiten der Pest wurde Wacholder zur Räucherung in Krankenzimmern empfohlen. Durch seine fungizide und bakterizide Eigenschaft wurde hierdurch das Ansteckungsrisiko bei Infektionskrankheiten vielfach vermindert. Wacholder gilt seit alters her als Hausmittel, das erwärmt, Lebenskräfte erzeugt, das Bewusstsein stärkt, Leben verlängert und Spuk vertreibt. Sogar als Aphrodisiaka fand er Beachtung, und sein Öl soll gegen Impotenz helfen. Eigentlich wurden alle Bestandteile dieses vielseitigen Strauches erfolgreich als Heilmittel gegen eine Vielzahl von Krankheiten eingesetzt, so gegen chronische Katarrhe und Verschleimungen, Husten, Asthma, Blasenerkrankungen, Stein- und Griesleiden, Gicht, Migräne, Entzündungen jeder Art wie auch infektiöse Hautkrankheiten, Schwellungen und sogar zur Wundheilung und gegen Warzen.
Die ausgedehnteste Verwendung fanden die Wacholderbeeren, ursprünglich Bestandteil alltäglicher Ernährung, die einen günstigen, reinigenden, anregenden und kräftigenden Einfluss auf den menschlichen Organismus haben. Ihre arzneiliche Anwendung ist von großem Nutzen bei Magenweh, den verschiedensten Verdauungsbeschwerden, Gärungen, Blähungen, Leber- und Nierenleiden sowie bei Koliken. Ihre keimtötende und fäulniswidrige Wirkung wurde auch zur Lebensmittelkonservierung eingesetzt, z. B. beim Pökeln oder dem Einlegen von Sauerkraut. Pfarrer Kneipp hat im 19. Jahrhundert durch seine 'Wacholderkur' den Wacholderbeeren neue Beliebtheit verschafft, aber das Wissen und die wohltuende Wirkung sind in der Volksmedizin stets gegenwärtig geblieben.
Der Wacholder kann auf gutem Boden zu einem kleinen Baum werden, nimmt aber auch mit den magersten Böden vorlieb. So hatte er ein großes Verbreitungsgebiet an den sandigen Hängen des Teutoburger Waldes bis in die ursprünglich karge Heidelandschaft der heimischen Gefilde. Es ist sicherlich kein Zufall, dass in dieser kühlen und feuchten Region Norddeutschlands, wo man schnell mit Husten und Rheuma zu tun bekommen kann, die Menschen den Wacholder besonders schützten.
Leider war der Saft der Beeren nicht unbegrenzt haltbar. Mit den Aufkommen der Destillierkunst hat man durch Zugabe von Alkohol das Problem optimal gelöst. Hier liegt der Ursprung unseres Steinhägers.
Zunächst war die Herstellung von Alkohol, dem Aquavitae, Klöstern vorbehalten, später befassten sich privilegierte Hof- und Ratsapotheken mit der Herstellung und dem Verkauf. Es blieb nicht aus, dass auch andere Kreise bald ihren eigenen Schnaps herstellten. Bauern brannten ihn als Haus- und Heilmittel, besonders Wirtsleute witterten ein gutes Geschäft mit ihren eigenen Produktionen.
Hatte man anfangs nur einfach Kornbranntwein in den verschiedensten Rezepturen über die Wacholderbeeren gegossen oder dem Saft zugefügt, so wurden bald die Beeren selbst in den Destillationsprozess mit einbezogen. Das Herstellungsverfahren wurde im Laufe der Jahrhunderte immer mehr verfeinert und so entwickelte sich aus einem vortrefflichen Heilmittel ein obendrein sehr beliebtes Genussmittel, dessen zunehmender Gebrauch aber nicht immer nur den Frohsinn förderte und schließlich strengen Regeln unterworfen wurde.
Quelle: Fa. Schwarze-Schlichte
© 2012 Jürgen Obelode - www.obelode.de - mail(at)obelode(dot)de - Powered by PmWiki